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No Country For Old Men

No Country For Old Men

THRILLER: USA, 2007
Regie: Joel und Ethan Coen
Darsteller: Javier Bardem, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson

STORY:

Der Vietnam-Veteran Llewelyn Moss entdeckt die blutigen Überreste eines missglückten Drogendeals mitten in der Einöde Südwest Texas’. Den Koffer mit 2 Million Dollar nimmt er sicherheitshalber gleich an sich, was ihm in weiterer Folge einige Unannehmlichkeiten bereitet...unter anderem die Aufmerksamkeit des psychopathischen Auftragsmörders Anton Chigurh...

KRITIK:

Der gute Ruf eilte dem neuen, heiß ersehnten Thriller der Coen-Brüder bereits voraus. Die ersten Reaktionen aus den USA ließen Großes erwarten; die Kritiken überschwänglich; zeitweise rangierte der Film auf Platz 15 der imdb-Top 250 mit 8,9/10 Punkten, was oft mehr auszusagen hat, als die ebenfalls erhaltenen Golden Globe- und Oscar-Nominierungen.

Die Coens setzen dabei wieder auf ihre bewährten Mittel. Subtile, schwarzhumorige Dialoge, von denen man fast jeden auf ein T-Shirt drucken könnte, skurrile Charaktere und eine blutrünstige Story, die ins Nirgendwo verläuft und eigentlich nur zur Entfaltung der Figuren dient.

Der wortkarge und humorlose Anton Chigurh (Javier Bardem) möchte also sein Taschengeld aufbessern und verfolgt in bester Terminator-Manier den zunächst ahnungslosen Llewelyn (Josh Brolin), der während eines Jagdausflugs zufällig über 2 Million Dollar gestolpert ist. Aber die beiden sind nicht die einzigen, die die Kohle gut gebrauchen könnten...

Der Schauplatz wechselt von Motelzimmer zu Motelzimmer, wobei die Spannung in einzelnen Szenen, in denen die Parteien Tür an Tür aufeinander lauern, teilweise ins Unerträgliche gesteigert wird, obwohl oft minutenlang kein Wort fällt. Der komplette Film kommt übrigens gänzlich ohne musikalische Untermalung aus.

In einem zweiten Handlungsstrang überzeugt Tommy Lee Jones als desillusionierter Sheriff-Rentner, der die Situation zwar stets nüchtern analysiert, aber immer einen Schritt zu spät kommt. Er liefert mit seinen gedanklichen Ausschweifungen den melancholischen, philosophischen Beitrag zum Film.

'No Country For Old Men' ist ein moderner Western über eine gierige, gewalttätige Welt, die dem guten alten Sheriff vom Lande schön langsam über den Kopf zu wachsen scheint; blutig, stellenweise dialoglastig, aber pointiert, perfekt inszeniert und auf mehreren Ebenen funktionierend.

No Country For Old Men Bild 1
No Country For Old Men Bild 2
No Country For Old Men Bild 3
FAZIT:

Die Coens haben nach ihren Ausflügen in die "Unterhaltungsbranche" wieder ein Meisterwerk geschaffen, das zumindest auf den zweiten Blick das Zeug zum Kult hat. Und wenn nicht, dann wird es zumindest Javier Bardems Luftschussapparat...oder sein kesser Seitenscheitel...;)

WERTUNG: 9 von 10 Schuhsohlenstreifen im Bodenbelag
TEXT © Patrasch
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Magnus | 21.03.2010 21:40
Joker, Hans Gruber, Darth Vader, Apollo Creed....
Es gibt Filme die leben einfach von ihren "Bösewichten".
Dieses Prinzip gilt HIER wie in kaum einem anderen Film.
Anton Chigurh (?) ist herrlich diabolisch. Ohne diese Figur würde der Film nicht funktionieren.

Das ist Kritik und Lob in einem...
critical | 09.02.2011 18:41
Absolut. Hab den Film vor ein paar Tagen gesehen, von den Pro-und Antagonisten sind aber eigentlich nur Llewelyn Moss (der den selben Nachnamen wie ich trägt, was ich schon vorm ansehen toll fand :D) und eben Anton Chigurh wirklich im Gedächtnis hängen geblieben. Vielleicht liegt es daran das Tommy Lee Jones in erster Linie als Erzähler dient, aber an seine Rolle kann ich mich kaum noch erinnern. Diese Ruhe und vor allem diese bedrohliche Freundlichkeit als er den zweiten gezeigten Mord nach dem Polizisten begeht fand ich einfach toll. Wer würde sich in dieser Situation schon denken gleich tot zu sein? Natürlich ist diese Form von Charakter nicht unbedingt eine Weltneuheit, war aber trotzdem super.
Was aber viel wichtiger war, dieser Film strotzt nur so von überzeugender Logik. Endlich kann man mal das handeln jeder Person wirklich nachvollziehen. Das Moss die Drogen liegen lässt, ist wohl einfach nur klug - aber wer hätte den Geldkoffer liegen lassen? Auch Chigurhs Ruhe ist eigentlich nur zweckmäßig, denn ein unvorbereitetes Opfer ist ein leichtes Opfer. Hätte der Polizist sich so einfach umbringen lassen, wenn er gewusst hätte das Chigurh so gefährlich ist? Wohl kaum. Genauso beim angesprochenen zweiten Mord, um mal nicht zuviel zu spoilen. Ein möglichst logischer Aufbau der Story und noch viel wichtiger das logische Handeln der Charaktere ist mir einfach sehr wichtig in aktuellen Filmen, denn nur zu oft macht ein Protagonist mal etwas, das man als Zuschauer einfach nicht nachvollziehen kann, nur um den Film in eine spannendere Richtung zu lenken.
8,5/10
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thomas | 02.11.2008 18:47
Auch wenn es der gute Nic noch so gerne hätte dieser Film ist leider durch seinen dämmlichen Schluss total verhunzt worden.Pseudo Philosophisches Geschwafel, auch Bardem fand ich jetzt nicht so toll ausser einer dämmlichen Frisur hatte er nichts zu bieten was nicht 100 andere Killer Darsteller vorher auch schon gezeigt haben.Nic war entzückt ich könnte die Coens dafür mit Schlachtschuss Apparat behandeln.
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Tom | 17.03.2008 15:18
Ich möchte den Film so gerne sehen, aber er läuft scheinbar in keinem Kino in der Nähe von Wels. In Wels sowieso nicht, hier ist sowieso Ebbe angesagt, was gut Filme angeht. Nicht mal "Sweeney Todd" konnte ich hier sehen.
Zum Film: Empfehlenswert ist auch die Vorlage "Kein Land für alte Männer" von Cormac McCarthy. Gehört mit zum Besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe.
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Sokrates | 10.03.2008 21:56
Nachdem ich den Film gesehen habe, kann ich mich den Lobeshymnen ziemlich anschließen. Der Film erinnerte mich neben vielen anderen Coen-Filmen an Sergio-Leone Western, auch was die kapitalistische Amoral betrifft. Obwohl, ich muss zugeben, dass mir Fargo doch besser gefallen hat. Dieser Film hier ist sicherlich weit geradliniger, außerdem fand ich, dass der Sheriff ein wenig zu sehr vom Mann mit der mörderischen Figur ins Abseits gedrängt wurde. Aber unbestritten ein sehr sehenswerter Film.
Sokrates | 10.03.2008 21:58
Nachtrag

Nett fand ich, dass das Geld am Ende vollkommen aus dem Auge verloren geht, und er sich nicht an Genre-Regeln hält.
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