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Obsession: A Taste for Fear

Obsession: A Taste for Fear

OT: Pathos - Segreta Inquietudine
GIALLO/SCIENCE-FICTION: ITALIEN, 1987
Regie: Piccio Raffanini
Darsteller: Gérard Darmon, Eva Grimaldi, Virginia Hey, Dario Parisini, Gioia Scola

STORY:

Diane (Virgina Hey) ist eine Fotografin und Videokünsterlin mit einer klaren Vorliebe für Shootings, die so richtig schön sleazy und vor allem auch noch ordentlich kinky sind. Als es ihr Modell Teagan nicht schafft vor der Kamera die richtige Menge an Furcht rüberzubringen, wird sie kurzerhand rausgeschmissen. Doch kurz darauf bekommt die dralle Blondine ein neues Jobangebot: ein kinky Pornoshooting! Dazu wird sie so richtig stilecht gefesselt und verschnürt. Dass sie anschließend aber auch noch vor laufender Kamera abgestochen wird, kommt für sie dann doch ein wenig überraschend ...

Jedenfalls findet die Polizei die Leiche und eine Video-Disk (!) mit dem kleinen Snuff-Filmchen. Ab sofort sind Diane und ihr Ex-Freund, der Video-Artist George (Gérard Darmon) die Hauptverdächtigen. Schließlich besitzen sie das notwendige Equipment und haben auch noch beide den selben perversen (Film-)Geschmack. Und natürlich bleibt es auch nicht bei nur einer Toten ...

KRITIK:

Im Jahre 1985 gingen die beiden italienischen Filmfreaks Dario Piana und Piccio Raffanini gemeinsam ins Kino, um sich Carlo Vanzinas NOTHING UNDERNEATH anzuschauen. Anschließend besprachen sie den Film bei einem gemeinsamen Absacker in einer benachbarten Taverne. Die beiden waren ziemlich aus dem Häuschen und beschlossen, dass auch sie mal so einen Film machen wollten. Der sollte dann aber weniger retro, sondern gleich so richtig modern sein. Ach was modern, futuristisch! Sie gerieten beide so ins Schwärmen, dass sie nach ihrem Drink beide gleich nach Hause stürmten, um sich Gedanken über ein mögliches Drehbuch zu machen.

Zuhause angekommen drehte sich Dario Piana erstmal eine zünftige Zigarette aus seinen selbst angebauten Küchenkräutern. Dann schnappte er sich ein Buch von Marco Parma und plötzlich war ihm alles klar. Und drei Jahre später war sein Film TOO BEAUTIFUL TO DIE tatsächlich im Kasten.

Piccio Raffanini hingegen schaltete zu Hause erst mal die Glotze an, in der mal wieder Miami Vice lief. Dann entkorkte er eine Flasche seines Lieblingsweins und kochte sich ein fettes Champignon-Omelette. So gestärkt fing er gleich wie wild an zu schreiben. Doch plötzlich verzog sein Gesicht sich zu einem wilden Grinsen und er sah auf einmal die wildesten Farben und Muster. Der letzte klare Gedanke, den er noch fassen konnte, bestand in der Einsicht, dass er anscheinend versehentlich statt der Champignons das Glas mit den Magic Mushrooms erwischt hatte. Trotzdem brachte er es noch irgendwie fertig das Skript für seinen ersten Film in dieser Nacht komplett zu Ende zuschreiben. Der schaffte es dann zwei Jahre später auch tatsächlich ins Kino und hieß: OBSESSION: A TASTE FOR FEAR!

Auch wenn die obige Episode aus der jüngeren italienischen Filmgeschichte noch nicht einwandfrei historisch belegt werden konnte: Jeder der bereits OBSESSION: A TASTE FOR FEAR gesehen hat, wird mir zustimmen, dass es sich so oder so ähnlich abgespielt haben muss ...

Der Film fängt tatsächlich recht vielversprechend an. Zu den Eröffnungstiteln läuft ein ziemlich cooler industrialmäßiger Score und dann kommt auch schon die erste obersleazige Szene: Eine behandschuhte Frau mit Hut und Strumpf über dem Gesicht macht mit einer coolen Wumme an einer leicht bekleideten Blondine rum. Sie schiebt mit der Knarre erst den BH zur Seite und zerreißt der Armen dann auch noch das Höschen. Da fängt das Opfer auf einmal an zu lachen! - Es stellt sich heraus, dass wir gerade Zeuge eines von Dianes kinky Fotoshootings geworden sind. Denn Diane, die Wilde hat hat eine ganze besondere OBSESSION: A TASTE FOR FEAR!

Nicht schlecht der Specht! Allerdings geht es schon kurz darauf rapide bergab. Und spätestens, wenn Diane keine fünf Minuten später in einem oberpeinlichen, pornomäßigem Voice-over anfängt davon rumzublubbern, weshalb sie diese Nacht auf eine bestimmte Party ging, obwohl ihr gar nicht danach war, ahnen wir, dass in diesem Augenblick Piccio Raffaninis Pilzomelette anfing anzuschlagen!

Und tatsächlich: auf einmal wird das ganze Szenario in die krassesten Primärfarben getaucht. Und so bleibt das dann auch bis zum bitteren Ende. Denn Piccio Raffanini, der Verrückte, hat hier den ersten Science-Fiction-Giallo der Filmgeschichte zusammengebastelt!

Da aber anscheinend keine Kohle für die entsprechenden Sets vorhanden war, beschränkte man sich halt weitestgehend auf Innenräume mit oberkitschigem, bunt angestrahlten 80ies-Design. Dafür geht es an der frischen Luft dann umso futuristischer ab, wenn Diane mit ihrem Machimoto-Prototypen wild durch die Gegend düst. Für viel mehr hat es dann aber ausstattungstechnisch nicht mehr gereicht. Also fahren die anderen Protagonisten einfach ganz stinknormale Autos. Die werden dann halt ein bisschen weniger beleuchtet, damit die Sache nicht so auffällt!

Ansonsten gibt es noch jede Menge weiteres, belangloses Gelaber und natürlich noch weitere fetischistische Fotoshootings, um uns trotzdem bis zum Ende bei der Stange zu halten. Dazwischen turnt noch ständig Lieutenant Arnold durch das Geschehen. Und das ist ein ganz abgebrühter Hund, der ständig Sprüche rausblafft, wie z.B. "When you´re not part of the solution, than you´re part of the problem!" Ganz klar, dass Diane diesem Wahnsinnshecht gleich rettungslos verfällt. Aber auch gut, dass der Lieutenant dankend ablehnt. Denn so werden wir gegen Ende wenigstens noch Zeugen einer kleinen Lesbenszene mit Diane und ihrer total in sie verknallten Assistentin Valerie (Gioia Scola).

Aber das krasseste an diesem eh schon krassem Flick ist, dass man die das Gefühl hat, dass Piccio Raffanini mit echten Arthouse-Ambitionen an dieses Projekt gegangen ist. So ist die Protagonistin Diane zumeist toternst bei der Sache und Virginia Hey spielt sie auch gar nicht mal so schlecht. Und dann wurde für die Rolle des Gerald mit Gérard Darmon (DIVA, BETTY BLUE) auch noch ein wirklich respektierlicher Schauspieler gewonnen, von dem ich nicht vermute, dass er von vornherein die Absicht hatte in einer Giallo-Pseudo-Science-Fiction-Gurke mitzuspielen. Doch die Wege des Herrn sind bekanntlich unergründlich und so möge der Saft mit Piccio Raffanini sein!

Obsession: A Taste for Fear Bild 1
Obsession: A Taste for Fear Bild 2
Obsession: A Taste for Fear Bild 3
Obsession: A Taste for Fear Bild 4
Obsession: A Taste for Fear Bild 5
FAZIT:

Mit OBSESSION: A TASTE OF FEAR hat Piccio Raffanini im Alleingang das Sub-Sub-Genre des Science-Fiction-Giallo aus der Taufe gehoben. Dabei herausgekommen ist eine fetischisch-futuristische Farborgie mit sexy Fotoshootings und fiesen Snuffvideos. Doch trotz gelegentlich aufblitzender Momente von Genialität, lässt der trashige Gesamteindruck eindeutig darauf schließen, dass hier jemand eindeutig zu viel von den falschen Pilzen genascht hat. Hat sich dann auch bis heute noch nicht weiter zur Nachahmung empfohlen ...

WERTUNG: 3 von 10 Schüssen aus der Laserpistole
TEXT © Gregor Torinus
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