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Phenomena

Phenomena

HORROR: I, 1984
Regie: Dario Argento
Darsteller: Jennifer Connelly, Daria Nicolodi, Donald Pleasence

STORY:

Die dreizehnjährige Jennifer kommt in ein Schweizer Internat. Dort sind schon mehrere Schülerinnen einem Mädchenmörder zum Opfer gefallen, der in der Gegend sein Unwesen treibt. Doch Jennifer hat eine besondere Begabung: Sie kann mit Insekten kommunizieren. Mit deren Hilfe kommt sie dem unheimlichen Killer auf die Spur und begibt sich somit in tödliche Gefahr…

KRITIK:

PHENOMENA beginnt mit einer meiner persönlichen Lieblingseröffnungsszenen. Unheimlicher wie hier wurde die sonst so malerische Schweizer Naturkulisse wohl noch nicht dargestellt.

In diesen ersten Filmminuten gehen Argentos Genie, Wymans Musik und Albanos Kamera eine Symbiose ein, deren Ergebnis extrem bedrohlich wirkt. Und diese Bedrohung kostet des Regisseurs Tochter Fiore, die das erste Opfer mimt, auch gleich das (filmische) Leben.

Auch wenn man grandioser in einen Horrorfilm kaum einsteigen kann, zählt PHENOMENA in Fan- und Kritikerkreisen nicht eben zu den beliebtesten Werken des Italieners. Wobei in diesem Zusammenhang besonders laut über den absurden und unlogischen Plot geklagt wird.

Okay, zugegeben: In PHENOMENA hat Argento schon einige abstruse Ideen verarbeitet, aber andererseits eröffnet dieser Mut zum Absurden auch wieder völlig neue und außergewöhnliche Szenarien. Und das gibt der kruden Schlitzergeschichte einen düsteren märchenhaften Touch. So hat die Hauptdarstellerin - übrigens die damals noch blutjunge Jennifer Conelly (BLOOD DIAMOND, DARK WATER) - nicht nur optisch etwas von Schneewittchen, nein auch ihre Gabe mit Tieren (hier: Insekten) zu reden, würde gut in ein Märchen passen.

Mit der ganzen Interaktion mit Fliegen, Bienen, Glühwürmchen und Maden hat der Killerplot interessante Facetten zu bieten, die man in herkömmlichen Slashern eher vergebens sucht. Und am Ende, wenn Affen Rasierklingen schwingen, weht sogar ein Hauch aus der Rue Morgue durch das schock - und gorereiche Finale.

PHENOMENA ist ein Filmerlebnis, welches mit schaurig-schönen Bildern das Auge verwöhnt und für´s Ohr einen phantastischen Score mit Kompositionen von Goblin, Bill Wyman, Claudio Simonetti und, jops, Iron Maiden bereithält.

Ob seiner abstrusen Story oft gescholten, möchte ich an dieser Stelle mal festhalten, dass selbst der abstruseste Argento aus seiner von 1975 bis 1987 währenden Mondphase immer noch besser als 90% der Konkurrenz ist.

Phenomena Bild 1
Phenomena Bild 2
Phenomena Bild 3
Phenomena Bild 4
FAZIT:

Jugendliche Fliegenflüsterin vs. unheimlichen Mädchenkiller.
Gnadenlos unterschätzter Meilenstein des Horrorfilms, der mit abgefahrenen Ideen überrascht und einer grandiosen Inszenierung begeistert.

WERTUNG: 9 von 10 rachsüchtigen Schimpansen
TEXT © Christian Ade
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ghostdog | 23.04.2010 10:52
Typischer Argento: Langatmig, überschätzt und höchstens mittelmäßig.
Die letzte halbe Stunde verbessert sich der Film zwar und es splattert auch ein wenig, aber retten tut es diesen Langweiler auch nicht mehr.
Im Endeffekt sind eh nur 3 Filme von Argento einigermaßen gut: "The Mother of tears", "Suspiria" und "Sleepless".
Jetzt werde ich mich bei Argento-Hardcore-Jüngern unbeliebt gemacht haben, aber wenn man ehrlich ist, muß man sagen, daß von Argento noch NIE etwas wirklich extraordinär Gutes gekommen ist.
Chris | 23.04.2010 12:31

Unbeliebt gemacht? Ich denke, dein Kommentar erfüllt schon den Straftatbestand der Ketzerei. Einige andere Argento-Hardcorejünger wissen wo du wohnst und werden dich demnächst zu einer hochnotpeinlichen Befragung abholen!
Eh Scherz, also jetzt ernsthaft: Auch wenn ich jemand bin, der Argentos Werk überaus schätzt -also nenn mich meinetwegen auch einen Argento-Hardcore-Jünger : )-, weiß ich natürlich, dass selbst der Meister nicht unfehlbar ist. Allerdings steht der Wert eines SUSPIRIA oder INFERNO für den Horrorfilm oder fast jeder seiner Gialli für den italienischen Thriller imo praktisch schon beinahe über der Diskussion; okay, nicht wenn es nach dem alten deutschen Lexikon des Horrorfilms... ; )
Argento hätte in seiner Karriere nur ein paar einigermaßen gute Sachen abgeliefert?
Der Mann hat sich um den Horrorfilm verdient gemacht wie vielleicht gerade mal zehn andere Filmemacher! Ich weiß ja nicht, wie du zu Romeros DAWN stehst und ob der in deinen Augen auch nur überbewertet ist, aber Argento hatte maßgeblichen Anteil an diesem Klassiker. Er schrieb am Drehbuch mit und schnitt den Film für Europa auch viel effektiver als dies Romero getan hat. Argento eliminierte die unpassenden komischen Einlagen und erlöste DAWN auch von dieser entsetzlichen (wenn auch ironisch oder kritisch gemeinten) Konservenmusik, die Romero dem Film gegeben hätte und gab uns dafür Goblin und die unsterbliche "L´alba dei morti viventi"-Hymne. Schon allein deswegen sollte dem Mann Ehrfurcht entgegengebracht werden,oder? : ))
Aber bleiben wir bei seinen eigenen Klassikern - von denen hat er ja auch mehr als genug. Und zu denen zählt MOTHER OF TEARS eigentlich nicht. Denn im Vergleich mit den beiden Vorgängern muss man als alter Argento-Hardcore-Jünger eigentlich darum beten, dass der Meister nach SUSPIRIA und INFERNO uns irgendwann doch noch den richtigen dritten Teil kredenzt. Sorry, MOTHER war vielleicht eine nette, stellenweise unfreiwillig komische Splatterei, aber der MATER-Trilogie nicht mal im Ansatz würdig. Aber Geschmäcker sind verschieden. Und dass dir PHENOMENA nicht gefällt, ist natürlich vollkommen okay. Also nichts für ungut und nichts gegen deinen Geschmack. : ) Ich kenne sogar Argento-Hardcore-Jünger, die -im Gegensatz zu mir- ihre Problemchen mit PHENOMENA haben...Also über den Film kann man wohl geteilter Meinung sein. Aber zwei Meinungen über das Werk Argentos und wie es das Genre beeinflusst und inspiriert hat -darüber kann es - ganz ehrlich- keine zwei Meinungen geben. (Es sei denn natürlich, man schwört auf das alte Lexikon des Horrorfilms)Was natürlich nicht bedeutet, dass Argentos Filme jedermann gefallen müssen. Ist vielleicht bei dir und Argento so wie bei mir mit APOCALYPSE NOW. Unbestritten ein bedeutsames Werk der Filmgeschichte, aber ich persönlich kann (noch) nicht viel mit anfangen...Vielleicht wird´s noch.
In diesem Sinne - live long & prosper!
ghostdog | 06.05.2010 12:13
Ein schön geschriebener Kommentar von Dir, lieber Chris. Man merkt, daß Du Dich sehr für Filme und speziell für unseren gemeinsamen Freund Dario interessierst.
Zugeben muß ich, daß Argento in verschiedenen Filmen wirklich wunderschöne, ohne Schnitte gefilmte Kamerafahrten vorzuweisen hat, die man so noch nicht gesehen hatte. Auch die Innenaufnahmen eines Türschlosses, eines Türspions oder eines Klaviers gab es vorher so noch nicht. Daß Argento ein Händchen für surreale Farbgebung hat, ist unbestritten. Gerade in Suspiria und Inferno ist das Bild oft fast schon als psychedelisch zu bezeichnen. Auch die eine oder andere gute Splatterszene haben wir unserem Freund zu verdanken. Schöne Headshots und andere Splattereien erfreuten des öfteren den Gorehound in mir.

Jetzt aber das Problem: Argento`s Stories sind einfach langweilig. Allen voran Deep Red, der mich jedesmal fast einschläfert. Was nützen mir Farben und Kamerafahrten, wenn der Rest einfach total unspektakulär und langatmig ist.
Nicht nur das, meist sind Argentos Geschichten total zerfahren und unübersichtlich. Speziell in Inferno gibt es zahlreiche Ungereimtheiten.
(Wer tötete z. B.den Buchladenbesitzer, der gerade dabei war, die Katzen zu ertränken?) Aber darin ist Argento ein wirklicher
Maestro. Er reißt irgendwelche Themen an, läßt Fragen unbeantwortet im Raum stehen und überläßt es dem Zuseher, sie zu interpretieren. Daa mag auf den einen oder anderen Zuseher mystisch und intellektuell anspruchsvoll wirken, auf mich nicht!

Ich kann mit Argentos Werken einfach nicht wirklich was anfangen. Optisch mögen einige Filme wirklich beeindruckend sein, aber sonst? Atemlose Spannung empfand ich jedenfalls bei noch keinem seiner Werke. Leider!
Daß Argentos Eurocut von Dawn of the Dead wesentlich besser,da actionlastiger als Romeros ca. 45 Min längere Originalfassung ist, ist natürlich richtig. Auch Argentos Mitwirken an Spiel mir das Lied vom Tod muß gewürdigt werden.
Nichts desto Trotz waren gerade die letzten Filme Argentos (Cardplayer, Phantom der Oper, Do you like Hitchcock) sowas von schwach, daß The Mother of Tears geradezu einen Lichtblick nach so viel filmischer Dunkelheit darstellt.
Nix für ungut! Trotz allem habe ich 13 Argentofilme in meiner Sammlung!
Chris | 11.05.2010 18:53
In deinem ersten Absatz hast du ja schon einige Dinge aufgelistet, für die man den guten Dario einfach lieb haben muss. : )
In seinen besseren und besten Werken:
Überwältigende Bildersprache, tolle Musik (Goblin), große Atmosphäre. Und seine Geschichten sind ja so schwach und hingeschissen auch wieder nicht.
Was die Logik betrifft. Die tut sich ja ohnehin immer etwas schwer in einem Genre, welches sich Dämonen, Zombies, Killerkühlschränken oder nicht totzukriegenden maskierten Massenmördern widmet. Aber ich stimme dir teilweise zu. Bei manchen Horrorfilmen erwarte ich auch eine gewisse Nachvollziehbarkeit, wohingegen ich die Ungereimtheiten speziell in Filmen wie INFERNO oder SUSPIRIA total verzeihe. Denn diese Filme sind (wie z.B. auch die besten von Fulcis Zombiefilmen, also GLOCKENSEIL und GEISTERSTADT) ganz klar wie Alptraumszenarien aufgebaut. Und da Alpträume selten logisch sind, ist alles möglich. Da kann auch plötzlich ein Imbißwagenschlächter ins Bild gesprungen kommen und einem Katzenquäler den Rest geben. Oder ein Madensturm aus dem Nichts durchs Zimmer fegen.Oder dämonische Alchemisten ihre Laboratorien in einer öffentlichen Biblothek haben. Da heißt es für mich nur: Zurücklehnen und die Atmosphäre genießen. Und die ist bei SUSPIRIA und sogar mehr noch bei INFERNO grandios. Und wenn dann noch Keith Emersons "Mater tenebrarum" in der Tonspur loshymnt, ist bei mir die Horrorfilmekstase perfekt. Und Argento hat es früher eben verdammt gut verstanden, dieses geniale Feeling zu erzeugen. Und DEEP RED - da spreche ich als beinharter Giallo-Fan sicherlich nicht allein- ist in seinem Metier einer der fünf besten. Da versteckt sich in fast jeder Szene ein genialer Moment. Allerdings muss ich gestehen, dass ich dies in meiner eigenen Gorehoundphase noch nicht so gesehen haben. DEEP RED hat mir damals nur gefallen, aber heute verehre ich ihn. : )
Margot | 09.11.2010 21:07
Volle Zustimmung zu deinen Ausf& 369;hrungen, Chris. F& 369;r mich ist
Argento in seinen Filmen wie Profondo Rosso, Inferno oder
Suspiria weder ein Geschichtenerzähler noch ein Splatter-
Macher. Sondern er erschafft märchenhafte
Gesamtkunstwerke, fern von Logik oder Botschaft. Das einzig
Reale, was seinen Filmen gleichkommt, ist der Alptraum ;-)
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