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Wild Dogs

Wild Dogs

OT: Cani arrabbiati
THRILLER: ITALIEN, 1974
Regie: Mario Bava
Darsteller: Riccardo Cucciolla, Lea Lander, Maurice Poli, George Eastman

STORY:

Vier zu allem entschlossene Gangster überfallen einen Geldtransporter. Zwar kann die Polizei die Verbrecher umzingeln und einen töten, aber die anderen können mit einer Frau als Geisel fliehen. Kurz darauf entführen sie einen Mann, der eigentlich nur sein schwerkrankes Kind in ein Krankenhaus fahren will. Bei der anschließenden Hatz durch Italien beginnt ein Psychoduell zwischen den Insassen, auf der einen Seite die drei Gangster, auf der anderen Seite die beiden Geiseln. Und mittendrin das Kind...

KRITIK:

Bella Italia? Von wegen! Die Welt ist ein stinkender, verkommener Dreckshaufen voller wilder, triebhafter Tiere. Man nimmt sich einfach, was man will, ob Geld oder Frauen ist erst mal nur eine Frage der Reihenfolge. Bava konzentriert sich dabei auf seine Charakterzeichnung, und die fallen so ekelig aus, dass meine Freundin den Film nicht durchgehalten hat. Aber wie auch: Trentadue (Zweiunddreißig) nennt sich nach der Auswuchtung seiner Unterhose, und die Anwesenheit einer schönen Frau wirkt auf ihn nicht gerade libidohemmend. Der psychisch labile Bisturi (Skalpell) trägt seinen Namen auch nicht ohne Grund, und selbst Dottore, der Kopf der Truppe und scheinbar zugänglichste, geht über Leichen, wenn es sein muss.

Bava seziert das Italien der 70er genau. Rote Brigaden und Neofaschisten hielten das Land abwechselnd in Atem, hohe Arbeitslosigkeit vor allem im Süden, komplette Desillusion, nackte Gewalt und harter Drogenkonsum prägten die italienische Jugend. Folgerichtig scheren sich die Protagonsisten einen Dreck um Moral, sie haben nichts zu verlieren, nur untereinander hält man - zumindest anfangs - zusammen.

WILD DOGS ist aber nicht nur am Puls seiner Zeit, sondern darüber hinaus ein Film aus dem Lehrbuch, wie man mit minimalistischen Aufwand einen maximalen Effekt erzielt. Bis auf das Intro spielen fast alle Szenen im Auto auf engsten Raum, nur ab und an bricht Bava den Mikrokosmos auf, um mit einem unvorhergesehen Ereignis die Richtung der Reise und damit des Films zu ändern.

Leider schlug die brutale Willkür, die der Film beschreibt, auch auf ihn selbst zu. Nach seiner Fertigstellung ging der hochverschuldete Produzent in die Insolvenz, die Gläubiger beschlagnahmten die Negative, und WILD DOGS versank unvollendet in der Versenkung. Erst 1996 konnte mit Unterstützung der Hauptdarstellerin Lea Leander (einer Cousine von Hardy Krüger) und deutschen Geldgebern das Negativ zurück gekauft und fertig gestellt werden.

An einigen Stellen merkt man dann, dass der Film keine ordentliche Postproduktion erhalten hat, am deutlichsten vielleicht beim Soundtrack, der ausschließlich aus dem eingängigen Titelthema besteht, aber auch Vor- und Nachspann fallen deutlich gegenüber dem Film ab. Da aber Bavas Genie an so vielen Details festzumachen ist, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen und den fragmentarischen Charakter einfach als gegeben hinnehmen.

Wild Dogs Bild 1
Wild Dogs Bild 2
Wild Dogs Bild 3
Wild Dogs Bild 4
Wild Dogs Bild 5
FAZIT:

Knochentrockener, zynischer Thriller von Altmeister Bava, fernab seiner eleganten Gothic-Horrorfilme. Und doch hat er die Nase vorn und zeigt all den jungen Hüpfern, wo der Hase langläuft. Die Welt ist vielleicht schlecht, aber so lange es solche Film gibt, besteht Hoffnung.

WERTUNG: 8 von 10 schweißnassen Psychoduellen im Auto
TEXT © Marcel
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monezza | 24.02.2010 15:42
Meisterhaft spielt Bava in diesem hundsgemeinen Film mit den Gefühlen des Zuschauers und schickt ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt ohne Gleichen. Da muss selbst der abgebrühte Italo-Kenner schwer schlucken. Beeindruckend.
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