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Der Dmon und die Jungfrau

Der Dämon und die Jungfrau

OT: La Frusta e il Corpo
HORROR: ITALIEN, 1963
Regie: Mario Bava
Darsteller: Daliah Lavi, Christopher Lee, Tony Kendall

STORY:

Kurt Menliff (Christopher Lee) kehrt auf das Schloss seiner Familie zurück. Vordergründig, um der baldigen Hochzeit seines Bruders mit der hübschen Nevenka (Daliah Lavi) beizuwohnen, aber tatsächlich geht es ihm seinen Erbanspruch. Seine Ankunft ist nicht willkommen, Kurt hat nicht den besten Ruf bei Frauen, auch soll er verantwortlich für den Selbstmord der Tochter der Haushälterin sein. Seinen Ruf macht er sehr schnell Ehre: Nevenka, seine künftige Schwägerin, war ihm früher schon einmal versprochen, und schon bald verfällt sie ihm erneut...

KRITIK:

... und das in einer Art und Weise, die 1963 geradezu unerhört war: Nevenka zeigt nämlich unverholen masochistische Züge, die Kurt in ihrer früheren Beziehung schon ausgiebig ausgelotet hat. Ganz offensichtlich reicht seine bloße Anwesenheit, Nevenkas Hormonhaushalt gehörig durcheinander zu bringen, und als Kurt sie grübelnd am Strand trifft, ist es beim schönsten Sonnenuntergang um sie geschehen. Bereitwillig lässt sie sich auspeitschen.

Bavas "Peitsche und Körper" (so der italienische Titel) verdankt seine Entstehung einer interessanten, italienisch-amerikanischen Zusammenarbeit. Sein Debüt DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT wurde in den Staaten von American International Picture vertrieben, deren Hauptzugpferd Roger Corman war. Roger Corman drehte gerade seine Edgar-Allan-Poe-Reihe mit Vincent Price, und für DAS PENDEL DES TODES engagierte er kurzerhand Barbara Steele aus Bavas Debütfilm. Die italienischen Produzenten waren wiederum von Cormans Pendel des Todes so beeindruckt, dass sie Bava baten, auch so etwas in dieser Art zu drehen.

Aber Bava kopierte nicht nur, er ging den entscheidenen Schritt weiter. Wurde BDSM, sofern er überhaupt Thema war, allenfalls als krankhaft geschildert, so verzichtet Bava auf jede moralische Wertung. Er zeigt vielmehr die innere Zerissenheit Nevenkas, ganz und gar nicht den Vorstellungen von Keuschheit und Moral entsprechen zu können, andererseits ihre Leidenschaft aber auch nicht in einer funktionierenden Beziehung ausleben zu können.

In Deutschland war die besagte Szene am Strand übrigens deutlich und vor allem sinnentstellt gekürzt. Hier ist nämlich von den Verzückungen Daliah Lavis nichts mehr zu sehen. Dennoch darf es natürlich auch in der ungekürzten italienischen Fassung kein Happy End für eins der schönsten Liebespaare der Filmgeschichte geben, Christopher Lee stirbt durch das gleiche Messer, mit dem sich auch die Tochter der Haushälterin umgebracht hat. Oder doch nicht? Und schon sind wir mitten im Gothic-Horror, den Bava wie kein anderer beherrscht und hier - nach meiner ganz persönlichen Meinung - zum Höhepunkt führt.

In allen Filmen Bavas ist eine gute Kopie in den richtigen Farben wichtig, um das Werk überhaupt würdigen zu können. Aber was Bava hier an Farbkompositionen zeigt, selbst wenn Daliah Lavi einfach nur durch einen Gang schleicht, ist unfassbar. Überhaupt ist Daliah Lavi eine Entdeckung, absolut glaubwürdig in ihrer Rolle und natürlich mit ihren großen Rehaugen ein deutlicher Blickfang.

Komplett daneben ist dagegen mal wieder der deutsche Titel. So lobenswert es war, diesmal auf den doch so naheliegenden Dracula-Zusatz zu verzichten, den sonst jede Bava-Veröffentlichung verkaufsfördernd erhielt, so unsinnig ist, es Daliah Lavi als unschuldige Jungfrau und Lee als Dämon zu betiteln. Beide sind weder das eine noch das andere, sondern Einzelgänger und Fremde in einer Welt, in der kein Platz für Andersartige ist.

Der Dämon und die Jungfrau Bild 1
Der Dämon und die Jungfrau Bild 2
Der Dämon und die Jungfrau Bild 3
Der Dämon und die Jungfrau Bild 4
Der Dämon und die Jungfrau Bild 5
FAZIT:

Wer nur der oberflächigen Gruselerzählung eines vermeintlich von den Toten Auferstandenen folgt und sich vielleicht über mangelnde Spannung beschwert, übersieht die Komplexität des Beziehungsgeflechtes im Schloss, die weit über einen gewöhnlichen Gothic-Horror reicht. Daliah Lavi und Christopher Lee zeigen in Bavas Meisterwerk wahre, verzehrende Leidenschaft, die doch unerfüllt bleibt. Alles andere ist nur der Rahmen.

WERTUNG: 9 von 10 Auspeitschungen beim Sonnenuntergang
TEXT © Marcel
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