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Ann & Eve

Ann & Eve

OT: Ann och Eve - de erotiska
EROTIK / DRAMA: SWE, 1970
Regie: Arne Mattsson
Darsteller: Gio Petré, Marie Liljedahl, Heinz Hopf, Francisco Rabal

STORY:

Zwei Schwedinnen im Jugoslawien der 70er. Die eine, eine Filmkritikerin Ende Dreißig und die andere erst süße 18, will aber bald heiraten und ist sozusagen auf Junggesellinnenabschiedsurlaub...

KRITIK:

Addiert man zu dieser Ausgangssituation die knackigen Fotos auf Front- und Backcover der schwedischen DVD, welche die beiden Frauen meist nackig im Bett mit wechselnden Partnern beiderlei Geschlechts zeigen, erwartet man hier in erster Linie einen gepflegten skandinavischen Softsexflick. Kennt man dann noch den Trailer und den Fakt, dass dieser Film in den Staaten von den Obscure Nudity-Experten bei Frank Hennenlotters Something Weird-Label veröffentlicht worden ist, darf sich der Kenner zudem berechtigte Hoffnung auf ein bisschen ungepflegte Exploitation machen…

Genau deswegen hat auch der mir innewohnende Fleshhound angeschlagen. Und weil ich meinem Schoßhündchen kaum einen Wunsch verwehren kann, wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, um der schwedischen DVD von ANN OCH EVE - DE EROTISKA habhaft zu werden. Die läuft nämlich 105 Minuten lang und ist der massiv geschnittenen US-Scheibe aus dem Hause Something Weird, die es lediglich auf eine Spielzeit von 89 Minuten bringt, auf jeden Fall vorzuziehen. Was nun aber nicht heißt, dass ANN & EVE uncut ein exzessives Sexploitation-Freudenfeuer abbrennen, das viele Zensurschnitte erforderlich gemacht hätte.

Arne Mattsson, der Regisseur des vorliegenden Werks, ist nämlich beileibe nicht die schwedische Version eines Jess Franco oder Joe D’Amato und dürfte sich im Schmuddelfilm nicht unbedingt heimisch gefühlt haben. Im Gegenteil: Der Mann, ein Filmemacher aus der Uppsala-Schule, hat seine Karriere im seriösen Kino begonnen und bereits in den frühen Fünfzigern seinen ersten Goldenen Bären auf einer Berlinale erhalten. 1958 drehte er mit MANNEKÄN IN RÖTT ein Murder Mystery, welches gar als geheimer Vorläufer des italienischen Giallo gilt; eine These, der ich auf den Grund gehen will, sobald die georderte DVD aus Schweden eintrifft.

Doch auch ein Blick auf Mattsons weitere Filmographie lässt erahnen, dass man hier vielleicht doch kein Sleazefest von Francos Gnaden erwarten darf; oder besser erwarten sollte.

Trotzdem flirtet Mattsson gemeinsam mit ANN OCH EVE zumindest bei zwei Gelegenheiten einmal mehr, einmal weniger heftig mit handfester Exploitation. Merke die Schlagworte: "Sinful Dwarf" und "per Anhalterin mit den Landarbeitern".

Im Vergleich mit italienischen oder gar brasilianischen Genregeschwistern ist die Sexploitation in ANN & EVE selbst in der ungeschnittenen Fassung moderat gehalten. Manchmal ist das sogar ärgerlich. Wie bei jenem unverzeihlichen Frevel, den sich Mattson leistet, wenn er unsere Eve nackig auf die Lotterliege bettet, sie von gleich drei halbnackten Gespielinnen verwöhnen lässt und dann plötzlich das ganze Bild verpixelt wie es die Japaner in ihren Filmen mit Schamhaaren tun müssen! Auch die folgende sich anbahnende Sleazekeule mit dem Zwerg bleibt der dreckigen Zuschauerphantasie überlassen, weil ein abrupter Schnitt dem Geschehen ein jähes Ende bereitet.

Doch nicht verzagen: Marie Liljedahl ist mit von der Partie.

Also, die umwerfende Marie Liljedahl, die 1969 in Jess Francos EUGENIE zu sehen war und 1971 im ehrwürdigen Herrenmagazin Playboy zum "Top Sex Star of the Year" gekürt worden ist. Dazwischen war sie also Eve.

Als solche ist sie des Öfteren nackt zu sehen - wie übrigens auch die bedeutend reifere Gio Petré, die die andere Titelfigur spielt. Und jeder, der weiß wie Liljedahl in ihren Zwanzigern ausgesehen hat, wird sich ausrechnen können, dass diese Szenen ziemlich sexy sind.

Doch bei aller Nudity und Erotik, die ANN & EVE durchaus zu bieten haben, scheint die Arthausverwurzelung des Regisseurs immer wieder durch. Gegen Ende hin wird sie sogar omnipräsent. Was heißt, zu den T & A von A & E gibt es auch skandinavisch sperrige Analysen und Diskussionen über das Filmhandwerk im Allgemeinen und Anns Seelenleben im Besonderen. Denn dort scheint es einen dunklen Punkt in Form eines Mordes an einem Filmregisseur zu geben, wobei unklar bleibt, ob dieser tatsächlich oder nur in ihrer Einbildung passiert ist. Aber das liest sich jetzt abseitiger als es ist. Denn dieser Handlungsstrang wird nicht in Thrillermanier gesponnen, sondern führt uns letztendlich ohne Wiederkehr in Arthaus-Regionen. Und genau hier fällt das Kind fast in den Brunnen. Denn damit platzieren ANN OCH EVE ihre hübschen Hintern genau zwischen alle Stühle.

So richtig willkommen heißen wird man sie wohl weder im Lager der seriösen Kinogänger noch bei den exploitationgeilen Fleshhounds. Man wird sie allenfalls dulden…

Ach ja, und man sollte mitten in einem Film niemals eine Darstellerin -und wenn sie tausendmal so aussieht wie Rosalba Neri- gleich zwei(!) Lieder trällern lassen. Das nimmt die Spannung aus dem Glied!

Ann & Eve Bild 1
Ann & Eve Bild 2
Ann & Eve Bild 3
Ann & Eve Bild 4
Ann & Eve Bild 5
Ann & Eve Bild 6
Ann & Eve Bild 7
FAZIT:

Rares Sexploitation/Arthaus-Gebräu aus Skandinavien, das aber weder so richtig nach Sexploitation noch nach Arthaus schmeckt, aber dafür die süße Marie (DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE) Liljedahl häufig nackt präsentiert. Und das allein könnte schon Schauwert genug sein…

WERTUNG: 5 von 10 Piano spielenden Zwergen
TEXT © Christian Ade
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