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Ilsa - The Wicked Warden

Ilsa - The Wicked Warden

OT: Greta - Haus ohne Männer
FRAUENGEFÄNGNISFILM: D/CH, 1977
Regie: Jess Franco
Darsteller: Dyanne Thorne, Sandra L. Brennan, Tania Busselier, Eric Falk

STORY:

In einer südamerikanischen Psychiatrie stehen, unter der Leitung von Ilsa/Greta/Wanda, Vergewaltigung und Folter an der Tagesordnung.Eines Tages lässt sich eine junge Frau unter einem falschen Namen einschleusen um das Verschwinden ihrer Schwester aufzuklären.

KRITIK:

1974 hatte der findige Geschäftsmann - aka Regisseur - Don Edmonds eine Idee für einen Film mit der er auch seine Produzenten schnell überzeugen konnte.

Es gab Filme über Frauengefängnisse und Filme über Nazis - warum also nichts beides kombinieren?

Und schon war nicht nur die Idee zu einem der berüchtigtsten 70er Sexploiter geboren sondern gleich ein ganz neues Genre: Naziploitation - die Italiener waren dankbar für so viel Innovation und haben sich gleich auf gemacht ihrerseits die Genrefilmographie mit Titel wie Casa privata per le SS und SS-Experiment Love Camp zu füllen.

Ilsa - She Wolf of the SS - Quasi-Vorlage für Rob Zombies Grindhouse Faux-Trailer Werewolf Women of the SS - wurde mit halbfertigen Drehbuch - wahrscheinlich irgendwelche Servietten und Bierdeckel auf den die gewünschten Folterungen notiert wurden - in wenigen Tagen auf dem ehemaligen Set von Ein Käfig voller Helden gedreht - wenn das der Klink gewusst hätte.

Die Mischung aus harter - da FX-technisch überzeugender - Frauenfolter, moralisch etwas fragwürdigem Kontext, mehr als trashiger Attitüde und Dyanne Thorne im knappen SS-Leder-Fummel kam wenig überraschend beim Bahnhofskino-Publikum außergewöhnlich gut an - Produzent Dave Friedman war bei der ersten Betrachtung des Werkes allerdings wenig, aber genug geschockt seinen Namen im Abspann durch ein Pseudonym zu ersetzen.

Zwei Fortsetzungen in einem unbestimmten Wüstencamp und einem russischen Gulag - Verbrechen lohnt sich also doch, immerhin kommt man in der Welt ein wenig rum - später sahen auch die beiden Knallchargen Erwin C. Dietrich und Jess Franco ihre ideale Spielwiese im Ilsa-Franchise und wollten ihrerseits ihre misogynen Neigungen ausleben - Verzeihung... ihren filmhistorischen Beitrag zur Reihe leisten.

Ilsas Produzenten waren davon jedoch Anfangs wenig begeistert, so dass Dietrich aus Ilsa Greta macht und manchmal Wanda. Nachdem allerdings auch dieser Beitrag erfolgreich war und die Rechte über den großen Teich verkaufte werden sollten, entschieden sie sich aus Greta - und manchmal Wanda - wieder Ilsa zu machen - ein leichtes Unterfangen, war doch alles bis auf den Namen unser aller Lieblings-Dominatrix drauf ausgelegt im Ilsa-Universum zu spielen.

Dabei versuchte Franco jedoch die Folterungen und sonstigen misogynen Grausamkeiten so geschickt wie möglich in eine seriös wirkende und komplexe, vielschichtige Handlung einzubetten.

Aber ein Franco ist ein Franco, bleibt ein Franco. Will heißen, der Hauptplot über eine Psychiatrie in der politische Gefangene gefoltert werden, in die sich die Schwester einer verschwunden Gefangenen einschleusen lässt und ein Arzt versucht die Zustände aufzudecken, mag zwar ein wenig über Genrestandard liegen, bringt sich durch seine unzählig losen Enden und Plotholes jedoch selbst ins Abseits - von der lediglich als Gimmick dienenden Snuff-Klamotte ganz zu schweigen.

Nun gut, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Sprich: Wer beim einem Film, quasi, aus dem Ilsa-Universum richtige Handlung, Charakterisierung oder gar eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet hat, sitzt wohl im falschen Film - ja, ja, ein Euro in die Wortspielkasse.

Davon abgesehen, für das was sie soll - nämlich die zahlreichen Folterungen und Misshandlungen halbwegs inspiriert verbinden, reicht die Handlung allemal.

Ein Franco ist ein Franco, bleibt ein Franco. Das bedeutet auch, dass der Film eines leidlich begabten Regisseurs nie durch seine technische Raffinesse auffallen wird, und Franco gehört - ohne seinen gesamte Filmographie gesehen zu haben - eben zu jener Art Regisseur.

Ganz ehrlich, jemand der seinem Publikum einen Out of Focus-Shot als Stilmittel verkauft, muss entweder seine Zuschauer für doof halten oder sich selbst für den schärften Hengst der Regiewelt - oder beides.So ist The Wicked Warden denn auch nicht frei von Längen, die vor allem dann auftreten, wenn versucht wird die Handlung voranzutreiben und/oder man Ilsa beim schier endlosen und unerotischen Baden oder beim horizontalen Hürdenlauf mit einem äußerst hässlichen Mann - was nicht bedeutet, dass die restlichen auftretenden Männer da hübscher wären, aber um die geht's ja zum Glück nicht - betrachten muss.

Verschmerzen lassen die sich dank Vorspultaste und sehr hohem Sleazegehalt jedoch leicht. Und Unrecht tun will ich Franco auch nicht, denn die ein oder andere Einstellung vermochte der misogyne Spanier durchaus atmosphärisch umzusetzen. Exemplarisch sei hier die finale Szene Ilsas großen Abgangs genannt, die effekttechnisch wenig aufwendig in Szene gesetzt, durchaus unter die Haut geht - und das nicht nur unter die von Dyanne Thorne, hrhr.

Auf schauspielerischer Seite vermag derweil lediglich Dyanne Throne aus der nackten - Verzeihung... grauen - Masse aus negiert talentierten Pfeifen herauszustechen. Sie spielt die Rolle der fiesen Peitschenschickse Ilsa - oder Greta oder Wanda oder Ilsa... - auf eine derart zynische, abgebrühte Art, dass es einem fast unheimlich wird - es sei auf jeden Fall empfohlen die englische Tonspur zumindest anzutesten, da Thornes Aussprache ihr Spiel noch um einiges intensiviert.

Eric Falk - seines Zeichens Stamm-"Darsteller" in Francos Filmographie - spielt wie in so ziemlich jedem seiner WIP-Reißer im Grunde sich selbst - will heißen, er hat Spaß und das färbt auf den Zuschauer ab.

Ilsas vierter Ausflug in die Folterkammern dieser Welt wurde von dem Schweizer Label VIP zu einem zwar stolzen Preis aber dafür in schöner Aufmachung im Rahmen der Jess Franco Collection veröffentlicht.Neben dem Hauptfilm in überarbeiteter Qualität in drei Sprachen und Trailern gibt es je ein Interview mit Franco und Dietrich zum Film, sowie eine Vorwort von "Onkel Erwin" persönlich.

Ilsa - The Wicked Warden Bild 1
Ilsa - The Wicked Warden Bild 2
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FAZIT:

Ilsa, The Wicked Warden ist unter anderem ein Film für Sleazefans, für Biberfell-Liebhaber und für Anhänger des Frauengefängnisfilms.

In erster Linie jedoch, ist er ganz schön harter Tobak.Zwar ist Greta - Haus ohne Männer (OT) ohne KL-Hintergrund fast 100% "guilt free", aber dennoch ein verdammt zynisches Werk - was durch die naiv-doofen Dialoge der deutschen Fassung noch um einiges verstärkt wird - und auf Grund seiner bedrückenden Atmosphäre nicht als Partyfilm geeignet.Dazu kommen fiese Folterungen, die zwar FX-technisch sehr gut realisiert sind, durch gnadenloses Overacting jedoch wieder ins Lächerliche abgleiten.Als Einstieg in die Ilsa-Reihe und für Sleazefans im allgemeinen ist The Wicked Warden durchaus zu empfehlen.

Sensible Gemüter und Genreeinsteiger sollten jedoch zu harmloseren Vertretern des WIP-Films, wie etwa Zuchthaus der wütenden Frauen greifen.

In diesem Sinne: "Eine kurze Untersuchung hat ergeben, dass sie schwer verwundet ist."

WERTUNG: 8 von 10 rauchenden Vaginas
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toxic | 13.11.2008 20:11
nur so: der link zu gefangene frauen führt zu zuchthaus der wütenden frauen.

Ilsa und laura2 waren ganz gut aber bei dem nacktfilm gefangene frauen bin ich fast eingepennt.
Vermutlich liegt es in der natur der sache, daß wip-filme semiprofessionell produziert werden, aber es gibt bestimmt noch ein paar gute! ...soll heißen: mehr empfehlungen bitte!
Die Kritiken sind echt witzig:-)
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