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Die Viertelliterklasse

Die Viertelliterklasse

DRAMA, KOMÖDIE: A, 2005
Regie: Roland Düringer, Florian Kehrer
Darsteller: Roland Düringer

STORY:

Vier prototypische Saufköpfe, Herr Frust, Herr Zorn, Herr Stress und Herr Angst, allesamt gespielt von Roland Düringer, treffen auf einer feucht-fröhlichen Betriebsfeier aufeinander. Es kommt zu einer Katastrophe.

KRITIK:

Ohne jemanden nahe treten zu wollen, aber Düringer war für mich immer der Jörg Haider unter Österreichs Kabarettisten: Ein populistischer Spaßmacher, der billige und meist ziemlich blöde Witze über Häuselbauer, Autoraser, Beamte und Pauschalurlaube reißt. Damit sich möglichst viele Österreicher angesprochen fühlen können.

Aber das war einmal. Denn Düringer hat sich weiter entwickelt. Sein Markenzeichen, die hastig hingeworfenen Wuchteln (was für ein blödes Wort) sind in diesem Film relativ dünn gesäht. An deren Stelle tritt eine neue Ernsthaftigkeit, und eine erstaunlich hinterfotzige Message:

Der Film handelt von einer Katastrophe. Einer Katastrophe, die in der Vergangenheit liegt. Und von der Bewältigung derselben. Diese Vergangenheitsbewältigung funktioniert hier sehr, sehr österreichisch: Nämlich durch vergessen. Verdrängen. Ersaufen. In Unmengen von Alkohol.


Frei nach dem Motto: Was gestern war, will ich heute nimmer wissen. Weil ich mir mein Hirn weg gesoffen habe. Damit gelingt Düringer ein erfreulich bösartiges Statement zur österreichischen Mentalität. Und zur Art und Weise, wie hierzulande mit der Vergangenheit umgegangen wird. Offenbar will der oberste Wuchteldrucker der Nation auch ein wenig als gesellschaftskritischer Künstler ernst genommen werden.

Dabei scheint es Düringer bewußt darauf anzulegen, es sich mit seiner Stamm-Klientel (Autoraser, Beamte, Pauschalurlauber ... :-) zu verscherzen. In einem Interview wurde Düringer gefragt, warum der Film mit nur wenigen Kopien startet und auch nicht auf Ö3 beworben wird. Die Antwort fand ich ziemlich cool: "Es hat ja keinen Sinn, die Massen in einen Kinofilm zu locken, mit dem sie nichts anfangen können."

Und wie ist der Film jetzt wirklich? Kamera-Arbeit, Regie und Soundtrack sind erstaunlich innovativ. Die Erzählung spielt ein trickreiches Spiel mit verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen. Um die Rauschzustände der Hauptfiguren zu visualisieren, werden immer ganze Handlungsstränge ins Surreale auslagert. Und dass es teilweise sehr derbe und heftig zu geht, soll auch nicht verschwiegen werden. Sondern durchaus lobend erwähnt ;-)

FAZIT:


Einige positive Überraschungen also in einem Film, den man durchaus empfehlen kann. Sag ich mal so, als nicht unbedingt größter Fan von Roland Düringer.

WERTUNG: 7/10
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memba. | 12.05.2010 20:53
das mit düringers brachialhumor (ähäm, wurde sogar
verglichen mit haider?!) ist käse.
man sollte hier nicht rolle mit schauspieler
verwechseln. ich zähle düringer zu österreichs elite.
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