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Lord of War

Lord of War

DRAMA/SATIRE: USA, 2005
Regie: Andrew Niccol
Darsteller: Nicolas Cage, Jared Leto, Ian Holm, Ethan Hawke

STORY:

Yuri Orlow, Sohn ukrainischer Einwanderer, kennt nur ein Ziel: schnell reich werden. Der Weg dorthin führt über illegale Waffengeschäfte, die im Laufe der Zeit immer größer und profitabler werden - aber auch gefährlicher ...

KRITIK:

Lord of War So sehen also Waffenhändler aus: Ein bisschen wie das modebewusste Killer-Personal in einem Quentin Tarantino-Film - sprich noble Autos, teure Schuhe, edle Anzüge, protzige Aktenkoffer. Nie um einen coolen Spruch verlegen, verlieren sie auch nicht die Fassung, wenn ihnen eine Kanone ins Gesicht gehalten wird - was berufsbedingt recht häufig vorkommt. In diesem Fall gilt: "The first and most important rule of gun-running is: Never get shot with your own merchandise."

Lord of War Sie kommen viel herum und kennen einflussreiche Leute, überall auf der Welt - kein Diktator, Massenmörder und Kriegsverbrecher kommt ohne ihre heiße Ware aus. Gutes Auftreten ist die halbe Miete - darum nehmen sie ihre Krawatten auch unter afrikanischer Tropenhitze nicht ab. Verschwiegenheit gehört aber nicht zu ihren Tugenden - Yuri Orlow, der von Nicolas Cage gespielte Waffenhändler plaudert hier in endlosen Off-Monologen über seinen aufregenden Job. Moralische Schranken kennt der aalglatte Geschäftsmann jedenfalls keine:

"Ich habe israelische Waffen an Muslime verkauft und in kommunistischen Ländern gefertigte Kanonen an Faschisten. Ich habe sogar Waffen nach Afghanistan geschmuggelt, als diese noch meine sowjetischen Brüder bekämpften. Nur mit Osama Bin Laden bin ich nicht ins Geschäft gekommen - aber nicht aus moralischen Gründen - der Kerl konnte nicht zahlen.

Lord of War Regisseur und Drehbuchautor Andrew Niccol macht, was er am besten kann: Gut recherchierte Systemkritik in hoch-ästhetische, aber stets etwas zu glatte Bilder gießen. Nach Reality-TV-Wahnsinn (The Truman Show) und Gentechnik (Gattaca) stellt Niccol jetzt den internationalen Waffenhandel an den filmischen Pranger. Mit beträchtlichem finanziellen Aufwand übrigens. Kolportiertes Produktions-Budget: Über 50 Millionen Dollar. Laut IMDB wurde der Film mit tatkräftiger Hilfe echter Waffenhändler gedreht - die stellten für die Dreharbeiten echte Panzer und Kalaschnikows zur Verfügung.

Herausgekommen ist ein Film, der sich zwischen alle Stühle setzt: Für den gemeinen Actionfan wohl viel zu anspruchsvoll und vielschichtig, fürs Arthouse-Publikum zu brutal und schießwütig, macht es Lord of War keiner Zielgruppe wirklich leicht. Wer Sam Mendes Anti-Kriegsfilm Jarhead oder David O'Russels eigenwillige Golfkriegs-Satrie Three Kings gesehen hat, bekommt eine Ahnung, in welche Richtung Lord of War ungefähr geht.

Lord of War Schwarzhumorige Satire, bildgewaltiger Abenteuer-Film, ernsthaftes biographisches Drama, auf Tatsachen basierender Politthriller - Lord of War ist vieles zugleich - aber leider nichts 100%ig.

Für eine bissige Satire wird der moralische Zeigefinger zu hoch erhoben. Für ein ernstzunehmendes Drama sind die Charaktere zu oberflächlich. Für eine seriöse Anklage des Waffenhandels ist die Inszenierung zu stilisiert und reißerisch. Der Film hinterlässt einen seltsam zerrissenen Gesamteindruck.

Läuft das jetzt auf einen Verriss hinaus? Mitnichten. Interessant und sehenswert ist Lord of War auf alle Fälle. Etwa die brillante Eingangssequenz, die mich ein wenig an das KORN-Video "Freak on a Leash" erinnert und den "Lebenslauf" einer Patrone zeigt, angefangen von den Förderbändern einer Fabrik über den Transport in ein Kriegsgebiet bis zum Aufprall in den Kopf eines Soldaten im Kindesalter. Bumm. Oder die 24-Stunden-Zeitraffer-Aufnahme, in der ein sowjetisches Transportflugzeug von ausgehungerten afrikanischen Dorfbewohnern zerlegt wird wie ein Stück Brot von Waldameisen.

Lord of War Afrika ist dann auch der Hauptschauplatz von Lord of War. Im bürgerkriegserschütterten Liberia macht Yuri Orlow Millionen mit Kriegsgerät, das er unter abenteuerlichen Bedingungen ins Land schmuggelt.

Hier versucht der Film, das hässliche Gesicht des Krieges ungeschminkt zu zeigen - in Form von brutalen Warlords, drogensüchtigen Kindersoldaten und blutigen Massakern an der Zivilbevölkerung. Dabei kommt dem Film aber seine flashige Bildsprache in die Quere - das Grauen wird über-ästhetisiert und damit entschärft. Multiplex-kompatible Massaker im MTV-Stil, würde der zynische Waffenhändler Yuri Orlow dazu wohl sagen.

Überhaupt wird hier Zynismus mit Durchblick verwechselt. Wirkliche Neuigkeiten über die Realität dieser Welt erfährt man IMHO nicht. Trotz plakativ eingeblendeter Texttafeln, dass das Gezeigte auf Tatsachen basiert.

FAZIT:

Ein interessanter Versuch, den internationalen Waffenhandel mit den Mitteln einer über-stilisierten Mischung als Satire, Actionfilm und Drama an den Pranger zu stellen. Definitiv sehenswert, aber nicht 100% überzeugend.

WERTUNG: 7 von 10 Kalaschnikows
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Dein Kommentar >>
KJ | 30.12.2011 20:36
Zweifelsfrei einer der besten Filme überhaupt! So siehts nämlich aus. Das ist die Realität. Das erste mal hab ich ihn aus purem Zufall im TV gesehen. Danach noch ein paar mal "bewusst".
>> antworten
Kataklysm | 06.09.2006 13:48
ganz guter film jedoch "irgendetwas" fehlt - vielleicht zu lang? also ich schließe mich weitgehend euren eindrücken an. 6/10
>> antworten
Bernhard | 15.07.2006 00:41
Durchwegs gelungener Film mit herausragenden Szenen wie den im Review schon erwähnten "Bullet-Lifecycle" und dem Flugzeugabbau - aber auch ich finde dass der Film nicht 100%ig gelungen ist, auch wenn er keine wirklichen Schwächen zeigt. Die Satire ist mir aber großteils entgangen ;-) ... 7/10
harald | 16.07.2006 20:25
@Satire: Die szene mit dem liberianischen diktator, der ohne vorwarnung einen seiner diener erschießt und dann das schlechte benehmen der heutigen jugend beklagt: "I personally blame MTV ... but I try to be a good example" :-)
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