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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
A Blade in the Dark

A Blade in the Dark

OT: La casa con la scala nel buio
GIALLO: ITALIEN, 1983
Regie: Lamberto Bava
Darsteller: Andrea Occhiopinti, Anny Papa, Fabiola Toledo, Michele Soavi

STORY:

Der Musiker Bruno zieht sich in eine Villa zurück, um dort den Score zu einem Horrorfilm zu komponieren. Katia aus dem Nachbarhaus scheint heiß und willig, doch kurz nach dem ersten Hallo, verschwindet sie spurlos. Als dann auch noch die junge Julia verschwindet, beschleicht Bruno nicht zu Unrecht der Verdacht, dass da ein Frauenmörder auf dem Anwesen herumschleicht…-

KRITIK:

Nach diversen Regieassistenzen (u.a. bei Deodatos berüchtigten Third World-Schockern MONDO CANNIBALE 2 und CANNIBAL HOLOCAUST) hat Lamberto, der Sohn des großen Mario Bava 1980 mit MACABRO seinen ersten eigenen Film abgeliefert. Der berühmte Vater war so zufrieden damit, dass er -ich zitiere- "nun in Frieden sterben könne." Bedauerlicherweise hat er genau das zwei Monate später auch getan. Doch der im Übrigen brillante psychologische Horror von MACABRO wurde sträflich unterbewertet und so dauerte es drei lange Jahre bis man dem jungen Bava erneut ein Filmprojekt anvertraut hat.

Und das war A BLADE IN THE DARK. Ein Film, mit welchem er endgültig in das von seinem Vater geschaffene Universum des Giallo Einzug gehalten hat. Zwar findet sich auch MACABRO des Öfteren in jenen Katalogen wieder, die die Werke des Genres listen, aber angesichts des deutlichen Horroreinschlags von Bavas Debüt ist dies zumindest diskussionswürdig.

A BLADE IN THE DARK ist dagegen ein waschechter Psychothriller all`Italiana. Auch wenn der Film zweifelsohne solides Handwerk darstellt; im Vergleich zu MACABRO wirkt er doch längst nicht mehr so ambitioniert. Dies ist jedoch weniger Lamberto Bava als vielmehr dem diesmal doch recht dürftigem Drehbuch von Dardano Sacchetti und Elisa Briganti anzulasten. Das Autorenehepaar, welches einst das Skript zu Fulcis WOODOO schrieb, hatte hier wohl nicht den goldenen Füller zur Hand. Die Logik übt sich in Askese, die Dialoge sind ganz schwach und die Story selbst generiert lediglich eine kleine Abfolge von Schlitzereinlagen mit einer in der Ausführung zwar lustigen, inhaltlich aber eher müden PSYCHO-Reminiszenz. Jeder Twist wurde dabei peinlichst vermieden.

Vielleicht kann man etwas mehr Verständnis für die überschaubare Qualität des Drehbuchs aufbringen, wenn man die Entstehungsgeschichte von A BLADE IN THE DARK kennt. Innerhalb einem minimalen Zeitrahmen haben die Geldgeber einen Film gefordert, der sich in punkto Location auf die Villa des Produzenten Luciano Martino beschränkt und alle 30 Minuten einen Frauenmord aufs Tablett bringt. Legt man diese Vorgaben zu Grunde, haben Sacchetti und Briganti ihren Soll sogar übererfüllt.

Allen Widrigkeiten zum Trotz ist es vor allem Bavas zwar nicht wirklich origineller, aber immer effektiven Inszenierung zu verdanken, dass A BLADE IN THE DARK gerade noch so den Kopf aus der grauen Masse bekommt.

Der Wunsch der Produzenten war ihm Befehl und gehorsam dehnt Bava den ersten Mord mit Vorbereitung, Ausführung und Nachbereitung über das gesamte erste Filmdrittel aus… - ohne dass es langweilig wird! Denn Bava weiß ganz genau, dass das Klicken einer einrastenden Teppichmesserklinge Musik in den Ohren von Genre-Aficionados ist und in Nahaufnahme durch Vorgärten geschleifte Mordopfer unwiderstehliche guilty pleasures sind…

Und entgegen dem Filmtitel tanzt hier nicht nur eine Klinge im Dunkeln. Mit dem bereits erwähnten Teppichschneider sowie allem was der Küchenmesserblock hergibt, sorgt der Killer in A BLADE IN THE DARK sogar für einen etwas höheren Body Count als die von den Produzenten geforderte 1 Leiche pro halbe Stunde. Die Höhepunkte: Das fiese Finale und ein bemerkenswert garstiger Badezimmermord, bei dem was Sadismus angeht, mal kurz von der Pflegespülung in den Schleudergang geschaltet wird.

Auch die Pre-Vorspannsequenz, in welcher das blonde Bübchen aus dem HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER Giovanni Frezza erneut den schweren Gang in einen finsteren Keller antreten muss, ist ein ganz leckeres Horrorszenario. Neben dem kleinen Frezza gibt es mit dem aus NEW YORK RIPPER bekannten Andrea Occhiopinti und Michele Soavi weitere Fulci-Veteranen zu sehen. Leider bleibt Occhiopinti in der Hauptrolle ebenso blass wie Stanko Molnar, der als voyeuristischer Gärtner völlig verschenkt ist und zu keiner Zeit an seine in MACABRO gezeigte Glanzleistung anknüpfen kann.

A Blade in the Dark Bild 1
A Blade in the Dark Bild 2
A Blade in the Dark Bild 3
A Blade in the Dark Bild 4
FAZIT:

Der Plot dieses Schlitzerflicks ist minimalistisch, schludrig und wenig originell, aber mit effektiver Inszenierung und großzügigem Teppichmessereinsatz rettet Lamberto Bava die Show.

WERTUNG: 6 von 10 Badezimmerputzaktionen
TEXT © Christian Ade
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