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Die Nacht der rollenden Kpfe

Die Nacht der rollenden Köpfe

OT: Passi di danza su una lama di rasoio
GIALLO: ITALIEN, 1972
Regie: Maurizio Pradeaux
Darsteller: Susan Scott, Robert Hoffmann, George Martin, Simón Andreu

STORY:

Und wieder beobachtet Genrestern Susan Scott (in den Credits unter ihrem richtigen Namen Nieves Navarro gelistet) einen Mord. Diesmal von einer Aufsichtsplattform aus. Sie erkennt zwar nicht das Gesicht des Killers, aber bemerkt sein auffälliges Hinken. Im gleichen Maße wie weitere Menschen dem Rasiermesser des Mörders zum Opfer fallen, steigt nun auch die Anzahl der Fußkranken im Umfeld unserer Susan. Verdächtige gibt’s also viele, nur…whodunit?

KRITIK:

Gut möglich, dass seinerzeit vor nun mehr über fünfundzwanzig Jahren DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE allein wegen seines Titels auf dem Index gelandet ist. Zugegeben; im Verbund mit seiner italienisch-spanischen Herkunft lässt ein solcher Filmname schon Assoziationen zu wollüstig zelebrierten Axtmorden und Blutbädern ziehen, obwohl ich trotzdem sehr bezweifle, dass die damalige Instanz der Schützer unserer Jugend und Seelen Maurizio Pradeaux’ Debütgiallo überhaupt gesehen hat.

Nämlich dann wäre schon viel früher jemanden aufgefallen, dass es sich dabei um keine Goregranate, sondern um einen absolut handelsüblichen italienischen Thriller der frühen Siebziger handelt, indem gefühlte fünfhundert Köpfe weniger als in Tim Burtons FSK 16 freigegebenen SLEEPY HOLLOW rollen. Streng genommen, rollt gar überhaupt keiner.

Somit drängt sich der Verdacht auf, dass DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE nur eine weitere unschuldige "Hexe" ist, die auf dem Scheiterhaufen der in ihrer Unverhältnismäßigkeit maß- und beispiellosen bundesdeutschen Filminquisition verbrannt wurde.

Geschenkt! Mittlerweile schreiben wir die Zehnerjahre und vor kurzem zeigten sich die Prüfstellen nach- (bzw. ein-)sichtig und erlösten diesen armen Giallo von seinem Bannstrahl. Jetzt gibt es ihn frei erhältlich im Laden, und zwar ungeschnitten ab 16. Wenn jetzt noch ein Richter GEISTERSCHIFF DER REITENDEN LEICHEN von seinem lächerlichen Verbot freisprechen würde, gäbe es sogar einen Keks!

Während die Gorebauern unverrichteter Dinge von dannen ziehen, weil die NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE sich wahrheitsgemäßer NACHT DER (KURZ) ANGESCHNITTENEN KEHLEN hätte nennen sollen, dürfen sich die deutschen Freunde italienischer Thriller- und Schlitzerfilme freuen. Sie müssen ihren Susan Scott-Flick nicht mehr über Umwege beziehen.

Ah…Susan Scott! Dieses andalusische rote Gift hat man zuvor ja in den köstlichen Gialli ihres Ehemannes Luciano Ercoli gesehen. Hier geht sie ein bisschen fremd und hat ihren männlichen Lieblings-Co-Star Simón Andreu gleich mitgenommen. Anders als in DEATH WALKS ON HIGH HEELS und DEATH WALKS AT MIDNIGHT sind die beiden diesmal allerdings kein Pärchen, weil hier ein anderer Giallo-Regular, nämlich der Österreicher Robert (SPASMO) Hoffmann, in Bed with Susan sein darf.

Allerdings hat dieser erste Giallo aus der Hand von Maurizio Pradeaux das Staraufgebot auch bitternötig. Mit ihrer charmanten Präsenz rettet Everybody’s Darling Susan die Party und macht DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE lohnenswert. Dagegen lassen Plot und Inszenierung weit weniger aufsehen.

Die Story folgt lediglich altbekannten Genreschablonen und pappt seine Handlungsstränge (Serienmord, Motivsuche, Erotik, Erpressung) ziemlich schlampig zusammen. Ein Ausbund an Cleverness ist das Drehbuch wahrlich nicht: Da das Haupterkennungsmerkmal des Killers - neben seinen schwarzen Handschuhen und dem obligatorischen Rasiermesser - sein Hinken ist, hat dies zur Folge, dass abgesehen von Susan Scott und dem ermittelnden Inspektor fast jede Figur im Film fußlahmt. Sehr viel plumper kann man den Kreis der Verdächtigen wohl wirklich nicht mehr ziehen.

Andererseits kann ein Film, der damit beginnt, dass Her Scottheit einen Mord beobachtet, nicht wirklich schlecht sein. Sprich: Es blitzen genug Rasierklingen und Nippel (wie beispielsweise die von Susan Scott; in ihrer Hot Scene mit Robert Hoffmann), dass der geneigte "Gelbsüchtige" nicht allzu enttäuscht sein dürfte. Trotzdem: Wollte ich meinem Giallo-unerfahrenen Kumpel die Vorzüge des Genres in einer Vorstellung schmackhaft machen, wäre DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE wohl nicht der Film meiner Wahl.

Die Nacht der rollenden Köpfe Bild 1
Die Nacht der rollenden Köpfe Bild 2
Die Nacht der rollenden Köpfe Bild 3
Die Nacht der rollenden Köpfe Bild 4
Die Nacht der rollenden Köpfe Bild 5
FAZIT:

Entgegen seinem gar Entsetzliches vermuten lassenden deutschen Titel, rollt hier nicht einmal ein Stecknadelkopf. Aber es werden ein paar Kehlen von des Schwarzen Handschuhs Rasierklinge zum Aderlass gebeten. - Maurizio Pradeaux’ erster Giallo ist alles andere als originell, nicht besonders stylisch und schon gar nicht clever. Aber es blitzen blanke Klingen (und Nippel) und erfahrene Genrehasen wissen eh: Ein Film, der damit beginnt, dass Susan Scott einen Mord beobachtet, kann so schlecht nicht sein.

WERTUNG: 6 von 10 hinkenden Verdächtigen
TEXT © Christian Ade
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Dein Kommentar >>
Marcel | 20.04.2011 12:08
Hm, ja. Ein Giallo, der lange Zeit vor sich hinblubbert, aber zum Ende dann doch noch die Kurve kratzt und sich im soliden Mittelfeld ansiedelt. Also, nicht wirklich gut, dafür fehlt das gewisse Etwas, aber auch kein Fehlgriff, dafür hat er zu viele Eyecandys.
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