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Paranoia

Paranoia

GIALLO: I, 1970
Regie: Umberto Lenzi
Darsteller: Carrol Baker, Jean Sorel, Anna Proclemer, Marina Coffa

STORY:

Maurice ist ein braungebrannter, gut aussehender Gigolo, der reiche Frauen nur ihres Geldes wegen heiratet. Ist eine "Gans" finanziell ausgenommen, wird die nächste becirct. Seine jetzige Frau Constance tut sich mit ihrer Vorgängerin Helen zusammen, um dem unmoralischen Treiben des Schönlings auf drastische Weise ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Einen gemeinsamen Segeltörn - so der Plan - soll Maurice nicht überleben. Am Ende der Bootsfahrt gibt es tatsächlich eine Leiche und mit ihr geht dieser Giallo erst richtig los…-

KRITIK:

Richtig bekannt -oder sollte man besser berüchtigt schreiben?- ist Umberto Lenzi in erster Linie durch seine umstrittenen wie ultraderben Kannibalenschocker mit CANNIBAL FEROX als Speerspitze geworden. Dabei war der heute 78-Jährige Anfang bis Mitte der Siebziger fast ausschließlich und ganz bestimmt nicht erfolglos in Giallo-/Poliziesco-Gefilden tätig. DIE VIPER, DER VERNICHTER oder (Lenzis bekanntester Giallo) SPASMO sind Titel, die dem Fan bestimmt geläufig sind.

Doch bereits im Jahr 1969 - beginnend mit ORGASMO (Und nein, D´Amatos Sexbolzen ORGASMO NERO ist weder verwandt noch verschwägert…) hat Lenzi eine ganze Salve an heutzutage leider sehr schwer auftreibbaren italienischen Thrillern auf die Leinwände gebracht. Die weibliche leading role in den meisten: die Baba Yaga im Erotikhorror BABA YAGA Caroll Baker. In der Tat offenbart ein Blick in deren Filmographie, dass die blonde Amerikanerin einst eine sehr beschäftigte und gefragte Genre-Queen gewesen ist.

In PARANOIA (1970) spielt die Baker die schöne Rennfahrerin Helen, die als Ex-Frau des Playboys Maurice in ein recht verschachteltes Mordkomplott verwickelt wird. Maurice wird übrigens vom wandlungsfähigen Franzosen Jean Sorel dargestellt; und der spielt im Vergleich zu seiner Rolle in Aldo Lados MALASTRANA in PARANOIA einen völlig gegensätzlichen Charakter.

Ebenfalls mit von der Partie ist Alberto Dalbés, der nicht nur den "Dr. Orla" in DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN gab, sondern bis zu seinem Tod im Jahr 1983 in einer ganzen Reihe beliebter Schundfilmfavoriten mitgewirkt hat. Darstellerisch ist der Film erste Sahne und auch was Ausstattung, Inszenierung und Style angeht, hat PARANOIA die nötige Eleganz. Denn damals war der Handlungsort Mallorca noch eine Insel der Reichen und Schönen und ebenso weit vom Sufftourismus und Ballermann entfernt wie Regisseur Lenzi von Heulern wie seinen BLACK ZOMBIES aus dem Jahr 1991.

Ähnlich wie DIRTY PICTURES braucht auch dieser Thriller viel Zeit, um in Schwung zu kommen. Es dauert die gesamte erste Filmhälfte, bis die Lawine aus Mord, Vertuschung, Täuschung und Verrat losgetreten wird, aber dann zieht die viel zitierte Spannungsschraube kräftig an. Wer also die Tugend der Geduld besitzt, wird am Ende mit einem Orkan an Wendungen entlohnt. Denn dann jagt ein gelungener Twist den nächsten.

Kommen wir zum Abschluss noch zu einem weniger angenehmen Thema, welches aber nicht verschwiegen werden sollte. Denn in PARANOIA beginnt Lenzi gewissermaßen mit der Unart, die er in seinen späteren Kannibalenfilmen ins Extrem treiben wird. Die Rede ist vom Tiersnuff. In PARANOIA sind die Steine des Anstoßes jene Szenen, die die Protagonisten beim Tontaubenschießen zeigen; nur dass die Tauben eben nicht aus Ton sind. Der grausame Sport des Lebendtaubenschießens ist gemeinhin verpönt und nur noch in einigen wenigen unverbesserlichen Ländern erlaubt. Eines davon ist Spanien und dort spielt der Film zum Leidwesen einiger Tauben - bedauerlicherweise.

Paranoia Bild 1
Paranoia Bild 2
Paranoia Bild 3
Paranoia Bild 4
Paranoia Bild 5
FAZIT:

Mallorca is a beautiful place to kill...- Anfang der Siebziger hieß Umberto Lenzis Muse Carrol Baker. In dieser Zeit war die blonde Amerikanerin der weibliche Star in einer ganzen Reihe von Gialli aus der Hand jenes Mannes, der später CANNIBAL FEROX auf die Menschheit losgelassen hat. PARANOIA gehört zu dieser Serie. In seinen ersten 45 Minuten ist dieser italienische Thriller, der gänzlich auf Rasiermesser und schwarze Handschuhe verzichtet, stets elegant und gut gespielt, aber auch ein bisschen langatmig. Doch seine letzte Dreiviertelstunde bietet dann nicht nur Spannung, sondern strotzt darüberhinaus nur so vor Twists. Leute, die mit den DIRTY PICTURES etwas anfangen konnten, werden ganz sicher auch an PARANOIA ihre Freude haben.

WERTUNG: 7 von 10 Geschwindigkeitsräusche
TEXT © Christian Ade
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