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Too Beautiful to Die

Too Beautiful to Die

OT: Sotto il vestito niente 2
GIALLO: ITALIEN, 1988
Regie: Dario Piana
Darsteller: François-Eric Gendron, Florence Guérin, Giovanni Tamberi, Gioia Scola

STORY:

Der Schmierlappen Alex Conti (Giovanni Tamberi) betreibt eine Model-Agentur und stellt seine Schönheiten nebenberuflich auch gerne mal für sexuelle Dienstleistungen zur Verfügung. Zur Zeit arbeiten einige seiner Models gerade für den Musikvideoregisseur David, der mit ihnen ein Video für einen Song mit dem Namen "Blade" dreht. Als ein wichtiger Auftraggeber von Alex verlangt, dass er ihm die Hauptdarstellerin des Videos, die Amerikanerin Sylvia O`Neal (Gioia Scola) für ein Schäferstündchen zur Verfügung stellt, will Alex ihm dies zuerst ausreden, da er weiß, dass Sylvia für solche Sachen nicht zu haben ist. Doch der Mann hat Alex in der Hand und droht damit zur Polizei zu gehen.

So wird ein Abend bei Alex arrangiert, bei dem Sylvia mit der Hilfe dreier weiterer Modells von dem besagtem Auftraggeber einfach vergewaltigt wird. Daraufhin verschwindet Sylvia fluchtartig mit Alex´ Auto und kommt (scheinbar) bei einem Unfall ums Leben. Kurz darauf beginnt ein geheimnisvoller Rächer die an diesem Vorfall Beteiligten mit den für das Video entworfenen Mordinstrumenten umzubringen.

KRITIK:

TOO BEAUTIFUL TO DIE kam 1988 in Italien als Pseudo-Sequel zu dem drei Jahre zuvor erschienenen SOTTO Il VESTITO NIENTE (NOTHING UNDERNEATH) heraus. Doch bis auf die Tatsache, dass sich in beiden Filmen ein geheimnisvoller Killer in der Modellszene herumtreibt, haben diese beiden Filme zunächst einmal nichts direkt miteinander zu tun.

Stilistisch zeichnet sich das Erstlingswerk des Regisseurs Dario Piana SOTTO Il VESTITO NIENTE 2 jedenfalls durch eine klare Entwicklung noch mehr weg vom klassischen Giallo aus. Während NOTHING UNDERNEATH eine gefällige Synthese zwischen dem italienischen Giallo der 70er und dem amerikanischen Erotikthriller der 80er darstellte, ist dieser Film ein unverkennbares Kind der 80er.

TOO BEAUTIFUL TO DIE hat einen kalten, modernen und in einzelnen Szenen geradezu futuristischen Look. Visuell ist der Film tatsächlich exzellent und besticht unter anderem durch zahlreiche gelungene Kamerafahrten. Zusammen mit dem fast durchgehend blaustichigen Bild ergibt das eine Optik, die ich ungefähr mit einer Mischung aus Argentos TENEBRAE und Zulawskis POSSESSION mit einem Hauch von BLADE RUNNNER beschreiben würde.

Diese visuelle Kälte spiegelt die Gefühlskälte der in diesem Film agierenden Charaktere. Während NOTHING UNDERNEATH eine noch oberflächlich glückliche, aber im Herzen zutiefst verkommene Welt präsentierte, ist es hier ganz offensichtlich, dass eigentlich jeder nur auf seinen persönlichen Vorteil bedacht ist.

Da ist zum einen Alex, der keine Skrupel zeigt, seine Models auch mal gegen ihren Willen zu prostituieren. Und dann ist da der tyrannische Regisseur David, der nur dann freundlich zu seinen Darstellen ist, wenn sie eine überdurchschnittliche Performance zeigen oder zumindest eine solche in Zukunft erwarten lassen. Die Models spielen das Spiel einfach mit, um selber nicht unterzugehen. Solidarisch zeigen sie sich nur, wenn es um ihren Selbstschutz geht.

Schauspielerisch werden hier keine Glanzleistungen geboten. Aber da die meisten Protagonisten sowieso als innerlich leer gezeichnet werden, stört dies nicht wirklich. Am Ende gibt es dann allerdings einen so heftigen Fall von Overacting, dass ich schon schmunzeln musste. Auch wenn dieser Film eher dem Motto "Style over Substance" verpflichtet ist, so offenbart sich doch gerade in dieser Szene die ganze Abgründigkeit dieses Mode-Zirkuses, und da hätte ich mir dann doch ein wenig mehr Glaubwürdigkeit gewünscht.

Aber natürlich ist TOO BEAUTIFUL TO DIE nicht vorrangig als Gesellschaftskritik gedacht, sondern will in erster Linie einfach unterhalten. Und unterhaltsam ist der Film auf alle Fälle. Die Handlung wird von Anfang an flott voran getrieben. Und wenn in dem einen Moment noch wunderschöne Models in futuristisch-fetischistischen Outfits herumtanzen, um im nächsten Moment in einer ebenso futuristischen Eisernen Jungfrau während der laufenden Dreharbeiten aufgespießt zu werden, dann kommt so schnell keine Langeweile auf.

Dass zu diesem Musikvideodreh zu dem Song "Blade" allerdings die ganze Zeit "Warriors of the Waste Land" von Frankie Goes To Hollywood gespielt wird, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Und was die Musik betrifft kommt es noch viel dicker. Der Gipfel der schlechten Geschmacks wird für mich erreicht, wenn die Modells zur Speedbootfahrt zu Huey Lewis and the News´ "Living in a Perfect world" ansetzen.

Doch was für den traditionsbewussten Giallo-Liebhaber wahrscheinlich gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes ist, ist für den anderen einfach eine super-cheesy Zeitreise zurück in die 80er! Und einmal ehrlich: Freuen wir uns bei unseren Lieblings-Gialli aus den 70er Jahren nicht auch höllisch über all die modischen Geschmacksverirrungen wie z.B. überdimensionale Brillen, Telefonhörer aus der 4ten Dimension und potthässliche Tapetenmuster?

Too Beautiful to Die Bild 1
Too Beautiful to Die Bild 2
Too Beautiful to Die Bild 3
Too Beautiful to Die Bild 4
Too Beautiful to Die Bild 5
FAZIT:

TOO BEAUTIFUL TO DIE ist ein unterhaltsamer und sehr stylischer Giallo aus den 80er Jahren, der das Rad nicht unbedingt neu erfindet, aber auf jeden Fall ziemlich neu verpackt. Doch was damals sicherlich super modern war, ist heute teilweise eher von nostalgischen Wert. Love it or hate it!

WERTUNG: 7 von 10 Desiger-Dolchen
TEXT © Gregor Torinus
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